Weithin sichtbar prägen Kirche und Schloß das Ortsbild des ehemals reichsritterschaftlichen Städtchens Fürfeld. Im 13./14. Jh. entstand die erste Fürfelder Kirche als Kapelle zum Heiligen Kreuz, dem Heiligen Sebastian geweiht. Das gotische Kirchlein wurde 1873 zur Scheune umgestaltet und 1972 abgerissen.

Die Ritterschaft im Kraichgau unterstützte schon früh die Reformation. 1521 trat als erster evangelischer Pfarrer Martin Germanus (1496-1559) die nun selbständige Pfarrei in Fürfeld an. Als Vertreter der Position Zwinglis war Germanus im Abendmahlsstreit von 1525 einer der Unterzeichner des Syngramma Suevicum.

1873 in neugotischem Stil erbaut und damals am Ortsrand gegenüber der alten Poststation gelegen, dem späteren Pfarrhaus, dominiert die große, einschiffige Hallenkirche heute die Ortsmitte. Gebaut wurde die Kirche nach Plänen des Heilbronner Baurats Barth, Turmhelm und Kanzel entwarf der Architekt Paul Burkhardt aus Waldenbuch. Vieles von ihrem neugotischen Schmuck ist über die 130 Jahre ihrer Geschichte nüchterner Renovierung gewichen.

Äusserlich bestimmend war 1951 die Neugestaltung und Überdachung des steinernen Turmhelmes, dessen Sandsteinmaßwerk stark verwittert war. Entfernt wurden die mit Kreuzblumen bekrönten Fialen.

Eine einschneidende Veränderung des Kircheninnenraumes erfolgte 1961 mit der Entfernung der Holzgewölbedecke, der Emporen, der neugotischen Kanzel und des Taufsteins sowie der kompletten Innenausmalung. Oberhalb der neu eingezogenen Holzdecke des Kirchenschiffs über dem Chorbogen sind von der alten Bemalung als Reste die beiden Offenbarungsengel in gutem Zustand erhalten geblieben. Die Darstellung der Geburt Christi, ehemals Mittelfenster im Chor, wurde als Stiftung der Patronatsherrschaft später wieder im Kirchenschiff in die Nordwand integriert.

Drei farbige Chorfenster fertigte 1961 nach dem Entwurf des Künstlers Peter Jakob Schober aus Billensbach die Kunstglaserei Sailer in Stuttgart. Die Fenster haben das Alte und das Neue Testament zum Thema verbunden durch eine Darstellung des Pfingstgeschehens im mittleren der drei.

Das linke Fenster zeigt in der linken Hälfte die Arche Noahs, darüber sein Dankopfer nach der Flut und ganz oben das Zeichen des leuchtenden Regenbogens und rechts den Auszug aus Ägypten mit dem Gang durchs Meer, darüber die aufgerichtete eherne Schlange und oben die Kalebstraube.

Aus dem Neuen Testament finden sich im rechten Fenster auf der rechten Seite der verlorene Sohn als Schweinehirt, darüber die Begegnung mit dem Vater und der erzürnte ältere Bruder. Die linke Hälfte zeigt das Gleichnis von den fünf klugen und den fünf törichten Jungfrauen. Im obersten Bild verweist eine offene Tür auf die Ewigkeit.

Das mittlere Fenster vergegenwärtigt das Pfingstfest mit der Ausgießung des Heiligen Geistes. Der Himmel entläßt den Geist Gottes wie goldene Flammen über die Gruppe der Jünger in allen Hautfarben.

Die zweimanualige Orgel mit 14 Registern wurde von der Firma Walcker, ehemals Ludwigsburg, 1962 gebaut.

Eine moderne Darstellung brachte 1988 das Christus-Relief von Reinhard Siecke in den gerade als Kirchsaal abgetrennten Vorraum der Kirche: „Mein Christus-Relief aus gelbbrennender Terrakotta auf gotisch ausgesägten Weichholzbohlen, … , es scheint von Weitem betrachtet eine Art Lebensbaum zu sein. Zu sehen ist zweimal Christus, links der Tote mit der Mandorla-Maria, rechts der Auferstandene.“

Im Rahmen des Austausches der Stahlkonstruktion gegen einen Eichenstuhl wurde 2004 das Geläute der drei vorhandenen Glocken von 1951 aus der Gießerei Kurz, ehemals Stuttgart, um zwei weitere Glocken aus der Glockengießerei Bachert Karlsruhe musikalisch erweitert. Die Dominika läutet den Sonntag ein. Der gotische Kruzifixus über dem Altar der Kirche findet sich auf der Glocke wie auch Symbole der beiden Sakramente. Die Segensglocke schmückt einer der oben erwähnten Engelboten sowie Melodiezeile und die Liedstrophe: „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen. … Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.“

Pfarrer Hannes Wössner

Literatur:

  • Anne u. Helmut Schüßler, Dr. Hans-Heinz Hartmann (Red.): Fürfeld. Aus Vergangenheit und Gegenwart des ehemals reichsritterschaftlichen Städtchens.Buchen-Walldürn 2001.
  • Beilagen zum Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg. März, Mai/ Juni 1977.
  • Reinhard Siecke, Manuskript.