Fast wie die eigene Mutter – Hannelore Mann organisiert Weihnachtsfeier für Flüchtlinge in Fürfeld

BAD RAPPENAU Ehemalige Gemeinderätin Hannelore Mann organisiert Weihnachtsfeier für Flüchtlinge in Fürfeld

Von unserer Redakteurin Elfi Hofmann

“Heute ist der beste Tag!“ Der 26-jährige Amin hat gerade sein zweites Kuchenstück gegessen und schaut sich zufrieden im Vorraum der evangelischen Kirche in Fürfeld um. Dort treffen sich am zweiten Weihnachtsfeiertag Flüchtlinge, freiwillige Helfer und Mitglieder des Ortschaftsrats zu Kaffee und Kuchen. Organisiert hat den Nachmittag Hannelore Mann, die aufgeregt durch die Reihen läuft. „Ich habe alle eingeladen, egal, ob sie Moslems sind oder Christen“, erzählt die ehemalige Lehrerin. Für sie gehört das ganz selbstverständlich zur Integration dazu. Wichtig sei, dass der Kontakt da ist und auch bleibt. Nur so könne man sich integrieren, Sprache und Kultur kennenlernen.

Taufe 14 junge Männer leben derzeit gemeinsam in der Fürfelder Unterkunft. Acht von ihnen besuchen seit einigen Wochen den Taufunterricht. „Ostern findet dann ihre Taufe statt“, erzählt Hannelore Mann. Neben dem Iraner Amin nimmt auch sein Landsmann Shayan an der Weihnachtsfeier teil. „Es ist gefährlich für Menschen im Iran, Christ zu sein“, sagt er. Im Sommer kam er in den Bad Rappenauer Ortsteil, lernt seitdem fleißig Deutsch. Weil das in der kurzen Zeit aber noch nicht perfekt ist, übernimmt Khwaja Abbasi die Übersetzung. Für alle drei Männer ist Hannelore Mann wie eine zweite Mutter. „Wir spüren, dass wir nicht alleine sind“, sagt Shayan. „Es ist fast wie in einer Familie hier.“ Dazu gehört auch Hannelore Manns Sohn Felix, der von Khwaja Abbasi nur Kommandant genannt wird. Durch ihn ist der Afghane zur Freiwilligen Feuerwehr gestoßen.

Ihre Familien vermissen die beiden Iraner an Weihnachten trotz des herzlichen Umgangs. Amin war während der Feiertage immerhin bei einem Teil seiner Familie, die in Frankfurt lebt, zu Besuch. Shayan blieb in Fürfeld und feierte gemeinsam mit den anderen Bewohnern der Unterkunft. „Wir haben dort auch einen Weihnachtsbaum“, erzählt der 31-Jährige. Nur Geschenke gab es bisher keine. Das soll sich aber am zweiten Feiertag ändern. Ortsvorsteher Marcel Mayer hat zwei weihnachtliche Tüten mitgebracht, die die Männer mitnehmen dürfen. „Ich hoffe, dass sie sich wohlfühlen“, sagt Mayer. Und lobt den Einsatz von Hannelore Mann: „Es ist toll, dass es Menschen mit so viel Herzblut gibt. Sie ist wie eine Mutter für die Flüchtlinge.“ Der Staat stelle zwar die Unterkünfte zur Verfügung, aber für die Integration benötige man viele freiwillige Helfer wie Hannelore Mann.

Für die Mutter von zwei Kindern ist das selbstverständlich. Neben der Flüchtlingshilfe, zu der auch Sprachunterricht gehört, engagiert sie sich in der Kirchenarbeit. „Ich möchte den Männern zeigen, dass es Menschen gibt, denen ihr Schicksal nicht egal ist“, so die ehemalige Gemeinderätin.

Kuchen Und wenn dann alle da sind, den selbstgebackenen Kuchen essen, miteinander ins Gespräch kommen und Fotos gemacht werden, strahlt sie über beide Ohren. Zu jedem der Flüchtlinge kann sie eine Geschichte erzählen. Kein Wunder, denn Hannelore Mann verbringt viel Zeit mit ihnen. Manche Personen in ihrem Umfeld haben dafür wenig Verständnis. „Aber ich bekomme so viel zurück“, sagt sie lächelnd.

Der Kuchen hat es den Männern besonders angetan. „Das ist der beste. Er schmeckt richtig gut“, sagt Amin. In Fürfeld fühlt er sich wohl. Auch wenn der Ort klein sei. „Ich hätte niemals gedacht, dass sowas für uns gemacht wird“, erklärt Shayan. „Wir sind doch nur Flüchtlinge.“

Kraichgau Stimme | KRAICHGAU | Freitag, 27. Dezember 2019 Seite 35