Die Glocken der Evang. Kirchengemeinde Fürfeld

Wann läutet welche Glocke und warum?

1. Warum Glocken?

Seit mehr als 1.000 Jahren rufen Glocken Christen zum Gottesdienst und zum Gebet. Feierliches Läuten vor Gottesdiensten, Läuten zu bestimmten Zeiten, um zu erinnern. Zu freudigen und traurigen Anlässen, zu Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Deshalb ist das Glockengeläut als Zeichen zur Sammlung und zum Gebet auch der Beginn des Gottesdienstes und nicht das Orgelvorspiel oder gar die Begrüßung durch den Liturgen.

2. Beschreibung unserer Glocken

Die Fürfelder Kirche besitzt heute 5 Glocken:

(1) Dominika - Schlagton f‘ - Durchmesser 116,1 cm - Gewicht 892 kg.

Auf der Haube 3 hebräische Worte, als Schulterfries ein geometrisches Muster mit Lilien, darin Christusmonogramm, Alpha und Omega. Auf der Flanke finden sich drei Bildzonen: 1. Taube mit Strahlen und Wellen 2. Brotschale und Weinkelch 3. Kruzifix in kraftvollem Relief. In den Zwischenräumen als Schriftteile:  ICH BIN DAS LICHT DER WELT. / WER MIR NACHFOLGT, / DER WIRD NICHT WANDELN / IN DER FINSTERNIS, / SONDERN WIRD DAS LICHT / DES LEBENS HABEN. ICH BIN DAS BROT DES LEBENS, / WER ZU MIR KOMMT, / DER WIRD NICHT HUNGERN; / UND WER AN MICH GLAUBT, / DEN WIRD NIMMERMEHR / DÜRSTEN. ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG / UND DAS LEBEN; / WER AN MICH GLAUBT, / DER WIRD LEBEN, / AUCH WENN ER STIRBT. Am Wolm ein Band mit den Worten: „HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN, MEINE WORTE ABER WERDEN NICHT VERGEHEN. Fürfeld A. D. 2004“, darunter über der Schärfe das Gießerzeichen Bachert, Karlsruhe 2004.

(2) Betglocke - Schlagton g‘ - Durchmesser 103,4 cm, Gewicht: 657 kg. Inschrift: „DEIN NAME WERDE GEHEILIGT“ - Kurtz, Stuttgart, 1951

(3) Kreuzglocke -  Schlagton b‘ - Durchmesser 86,4 cm  - Gewicht 391 kg. Inschrift: „ER IST UNSER FRIEDE“ - Kurtz, Stuttgart, 1951

(4) Taufglocke - Schlagton c‘‘ - Durchmesser 76,7 cm - Gewicht 273 kg. Inschrift „ER MUSS WACHSEN, ICH ABER MUSS ABNEHMEN“ - Kurtz, Stuttgart, 1951

(5) Segensglocke - Schlagton d‘‘ - Durchmesser 69,9 cm - Gewicht 218 kg.

Sie trägt ebenfalls eine längere Inschrift und ist ebenfalls reich verziert. Das Schulterfries ist wie bei der Dominika gestaltet, gefüllt mit den drei Symbolen Kreuz mit Alpha und Omega, Kirchentagskreuz und Symbol „oikoumene“. Auf der Flanke findet sich eine etwas zu große, aber gestalterisch schöne Posaunenengelfigur, ferner ein umlaufendes Lied in Notenschrift, der erste Vers von: „Komm Herr segne uns....". Am Wolm das Schriftband: „DER HERR SEGNE DICH UND BEHÜTE DICH Fürfeld / A. D. 2004“, ferner eine hebräische Inschrift. Über der Schärfe das Gießerzeichen Bachert, Karlsruhe 2004.

 

Dominika-Glocke (2004)
Segensglocke (2004)
Segensglocke (2004)
Segensglocke (2004)

3. Wann läuten unsere Glocken?

Zu unterschiedlichen Anlässen erfüllen die Glocken entweder zusammen oder einzeln ihren Auftrag. Das Leben und Leiden Jesus verkünden sie im Tagesverlauf. Sie erinnern um 6 Uhr, 11 Uhr, 15 Uhr und um 18 Uhr an wichtige Zeitangaben, die schon den Altvorderen den Beginn der Tagesarbeit und dem Bauern auf dem Feld um 11 Uhr akustisch anzeigten, dass in einer Stunde Mittagszeit ist.

(a) Sonntagsläuten

Jeden Sonntag rufen die Glocken zum Gottesdienst um 08.30 Uhr (Dominika), 09.00 Uhr (Kreuzglocke) und 09.23 Uhr (alle Glocken). Im Winterhalbjahr läuten sie um 18 Uhr, im Sommerhalbjahr um 20.00 Uhr den Abend ein (sonntags und werktags). Während des Gottesdienstes läutet die Betglocke, wenn das Vaterunser gesprochen wird und die Taufglocke beim Vollzug einer Taufe.

(b) Läuten bei Kasualgottesdiensten

Die Glocken läuten ebenfalls bei allen Traugottesdiensten. Die Schiedglocke läutet werktags nach Bekanntwerden eines Sterbefalls um 09.00 Uhr und vor Beginn der Trauerfeier läuten alle Glocken.

(c) Werktagsläuten

Von Montag bis Samstag sind die Glocken viermal täglich zu hören, um

06.00 Uhr        Morgenläuten der Dominika zum Morgengebet (Dauer: 1 min.)

11.00 Uhr        Mittagsläuten der Betglocke zum Friedensgebet (Dauer: 3 min.), sonntags nicht

15.00 Uhr        Kreuzläuten der Kreuzglocke zur Todesstunde Jesu (Dauer: 3 min.), sonntags nicht

18.00 Uhr        Abendläuten der Dominika zum Abendgebet (Winterhalbjahr, 01.10.-31.03.)
20.00 Uhr        Abendläuten der Dominika zum Abendgebet (Sommerhalbjahr, 01.04.-30.09.)

Samstags läuten alle 5 Glocken um 18.00 Uhr den Sonntag ein.

Am Neujahrstag läuten alle Glocken um 00.00 Uhr und 12.00 Uhr das neue Jahr ein.

 

3. Geschichte der Fürfelder Glocken

Die Kirchengemeinde hatte bereits 1866 eine bei Knittel in Cannstatt gegossene Bronzeglocke besorgt. Diese Glocke hatte einen Durchmesser von 85 cm und ein Gewicht von 380 kg. Ihr Inschrift lautete LOBET IHN IN DER HÖHE PSALM. 148,1.

Beim Kirchenneubau 1873 stellte man diese Glocke vorerst außer Dienst und beschaffte drei neue, bei der Glockengießerei Bachert in Kochendorf (Bad Friedrichshall) gegossene Glocken. Die größte dieser Glocken hatte den Schlagton fis‘, einen Durchmesser von 103 cm und ein Gewicht von 658 kg. Ihre Inschrift lautete EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE U. FRIEDE AUF ERDEN U. DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN. Die mittlere Glocke hatte den Schlagton b‘, einen Durchmesser von 86 cm und ein Gewicht von 375 kg. Die kleinste Glocke hatte den Schlagton cis‘‘, einen Durchmesser von 67 cm und ein Gewicht von 175 kg.

Im Ersten Weltkrieg mussten 1917 die größte und die kleinste der Glocken von 1873 zu Rüstungszwecken abgeliefert werden. Die mittlere Glocke war 1920 noch vorhanden. In den späten 1920er Jahren bestand das Dreigeläut der Kirche dann aus der wieder in Dienst gestellten alten Glocke von 1866 sowie einer 1922 bei Bachert in Kochendorf (Bad Friedrichshall) gegossenen Bronzeglocke mit dem Schlagton c‘‘, einem Durchmesser von 75 cm und einem Gewicht von 236 kg mit der Inschrift GOTT IST UNSERE ZUVERSICHT UND STÄRKE. PSALM 46,2. sowie einer 1926 bei Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossenen Bronzeglocke mit dem Schlagton g‘, einem Durchmesser von 103 cm und einem Gewicht von 657 kg mit der Inschrift DEIN REICH KOMME. AUS TIEFER NOT SCHREI ICH ZU DIR. HERR GOTT, ERHÖR MEIN RUFEN.

Im Zweiten Weltkrieg mussten abermals Glocken abgeliefert werden, so dass nur noch die Glocke von 1922 in Fürfeld verblieb.

1951 wurde ein neues Dreigeläut bei Kurtz in Stuttgart gegossen, in das die Glocke von 1922 als Umguss mit einging.

Die größte der Bronzeglocken, die Betglocke, hat den Schlagton g‘, einen Durchmesser von 103,4 cm und ein Gewicht von 657 kg. Ihre Inschrift lautet DEIN NAME WERDE GEHEILIGT.

Die mittlere Glocke, die Kreuzglocke, hat den Schlagton b‘, einen Durchmesser von 86,4 cm und ein Gewicht von 391 kg. Ihre Inschrift lautet ER IST UNSER FRIEDE.

Die kleinste der Glocken, die Taufglocke, hat den Schlagton c‘‘, einen Durchmesser von 76,7 cm und ein Gewicht von 273 kg. Ihre Inschrift lautet ER MUß WACHSEN, ICH ABER MUß ABNEHMEN. Das Geläut wurde 1961 elektrifiziert.

2004 wurde ein neuer Glockenstuhl installiert und das Geläut um die Glocke Dominika und um die Segensglocke erweitert. Beide wurden bei Bachert in Karlsruhe gegossen.

Dominika hat den Schlagton f‘, einen Durchmesser von 116,1 cm und ein Gewicht von 892 kg. Sie trägt eine längere Inschrift und ist mit zahlreichen Symbolen und Schmuckelementen verziert. Symbole: gotischer Kruzifixus und Taufe und Abendmahl.

Die Segensglocke hat den Schlagton d‘‘, einen Durchmesser von 69,9 cm und ein Gewicht von 218 kg. Inschrift: „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen. ... Lachen oder Weinen wird gesegnet sein." - Bildmotiv: ein Engelbote.

 

Glockenweihe 1951
Glockenweihe 1951
Segens- und Dominikaglocke (2004)
Dominikaglocke (2004)
Inschrift einer Glocke von 1951

4. Die Bedeutung der Läutezeiten

Die alte Kirche und insbesondere das klösterliche Leben kannte sieben Gebetszeiten und damit Gebetsrufe, das so genannte Stundengebet:

  • Vigil (Nachtwache nach Psalm 119,62)
  • Laudes (Gebet bei Sonnenaufgang nach Psalm 59,17)
  • Terz (Bitte um die Ausgießung des Heiligen Geistes nach Apostelgeschichte 2,15)
  • Sext (Erinnerung an Christi Kreuzigung und Ruf zum Gebet unter dem Kreuz. Matthäus 27,45 und Apostelgeschichte 10,9)
  • Non (Erinnerung an Christi Todesstunde. Matthäus 27,46 und Apostelgeschichte 3,1)
  • Vesper (Abendgebet nach Psalm 118,21)
  • Komplet (Nachtgebet nach Psalm 91,9), da der bzw. die Fromme im Angesicht Gottes mit Psalm 119,164 spricht: „Siebenmal des Tages lobe ich dich um deiner gerechten Entscheidungen willen.“

Der Württembergischen Landeskirche sind nach der alt-württembergischen Ordnung diese sieben Gebetszeiten bekannt.

Üblich sind in der Regel fünf werktägliche Läutezeiten. Die Zahl fünf ist ein altes Zeichen für die fünf Wunden Christi und dessen Menschwerdung auf Erden. Das Dreiergeläut steht für die Heilige Dreifaltigkeit.

Betläuten

6.00 Uhr: Laudes, Morgenläuten, Erinnerung an Christi Auferstehung und Ruf zum Morgengebet.

Es erinnert an die Auferstehung Christi, der die Nacht des Todes überwunden hat, und es mahnt die Beter, im gläubigen Vertrauen auszuharren, da Christus allen voranleuchtet. Gleichzeitig mahnt es, allen Anfechtungen, allen Anfeindungen, allem Bösen zu widerstehen. Lukas 1,78.79; 1. Petrus 5,9, Psalm 33,20.

12.00 Uhr: Mittagsläuten, ehemals „Türkenläuten“ zur Abwehr der Kriegsgefahr.

Heute Ruf zum Gebet um Frieden. Eingeführt wurde das Türkenläuten durch Papst Calixtus III. 1453 „wegen des Türkeneinfalls“ nach dem Fall Konstantinopels. Nach der Reformation wurde es von Herzog Christoph von Württemberg bestätigt. Nach dem Frieden mit den Türken 1718 wurde es zum Friedenläuten.

18.00 Uhr: Vesper, Ruf zum Abendgebet.

Es ist das Dankgebet für den Tag und zugleich Hinwendung des Blickes auf das Ende aller Dinge und aller Zeit. Epheser 5,20; Römer 8,28; Römer 8,18 und Psalm 118,21.

Kreuzläuten

Schiedläuten 11.00 Uhr: Sext, Erinnerung die einbrechende Finsternis während Christi Kreuzigung und Ruf zum Gebet unter dem Kreuz.

Die Betenden werden aufgerufen, Verzagtheit und Kleinmut von sich zu werfen, ihr persönliches Kreuz zu akzeptieren und auf sich zu nehmen. Matthäus 27,45 und Apostelgeschichte 10,9. Sowie Matthäus 16,24; Hebräer 2,13 und Psalm 68,20.

15.00 Uhr: Non, Erinnerung an Christi Todesstunde.

Matthäus 27,46 und Apostelgeschichte 3,1. Nach dem Verklingen des Schiedläutens folgt eine Pause, dann läutet die Vaterunser-Glocke und ruft die Gemeinde zu einem Vaterunser aufgrund der Bedeutung des Todes Christi und zur Anbetung des Gekreuzigten auf. Indem die Betenden des Todes Jesu gedenken, werden sie an ihr eigenes Ende Sterben müssen erinnert und aufgefordert, sich auf den Tod vorzubereiten. Psalm 90,12, Römer 8,21, Psalm 31,8, Epheser 2,18 und Psalm 116,8a.